Geschichte

50 Jahre Cantate-Chor –
50 Jahre Enga­ge­ment für Gesang

von Tho­mas Waldmann

Elas­ti­scher Beginn mit Bach. «Spür­bare Begeis­te­rung» sowie «Elas­ti­zi­tät und Leben­dig­keit des Rhyth­mus» im klei­nen Ensem­ble attes­tierte die Basel­land­schaft­li­che Zei­tung am 23. Februar 1962 dem Alt­schier­ser Kam­mer­chor – so hiess der Cantate-Chor zu Beginn.  Am 21. Februar 1962 war der Chor, damals etwas über 40 Sän­ge­rin­nen und Sän­ger, mit Johann Sebas­tian Bachs Messe in h-Moll erst­mals in einem öffent­li­chen Kon­zert auf­ge­tre­ten – in der Bas­ler Martinskirche.

Gegrün­det wurde der Chor im Früh­ling 1961 in Lies­tal, von mehr­heit­lich im Basel­biet wir­ken­den «Alt­schier­sern» – Ehe­ma­li­gen der Evan­ge­li­schen Mit­tel­schule und des Semi­nars in Schiers. Sie woll­ten die musi­ka­li­sche Tra­di­tion ihrer Schule nach dem Weg­zug von Schiers wei­ter­füh­ren. Der Diri­gent Max Wehrli, Musik­di­rek­tor der Schule in Schiers, hatte zugleich die Vision, einen Kam­mer­chor her­an­zu­zie­hen, der durch kon­ti­nu­ier­li­che Arbeit in klei­ne­rer Beset­zung auf hohem Niveau Per­len der Chor­li­te­ra­tur auf­füh­ren könnte. Ein gros­ses Werk von Bach in klei­ne­rer Beset­zung zu hören, war damals unge­wöhn­lich, obwohl sich die Erkennt­nis durch­zu­set­zen begann, dass Bach selbst mit klei­ne­ren Chö­ren gear­bei­tet hatte. Damit zeigte der Chor, dass man beson­dere Wege gehen wollte; das ist bis heute so geblie­ben. Der Chor­lei­ter, Kapell­meis­ter und Pia­nist Max Wehrli ver­stand es, diese «Alt­schier­ser» – trotz ihres Namens natür­lich junge Leute – zu begeis­tern. Die erste Sing­wo­che 1961 wurde in einer Erin­ne­rung als «Maxi­wehrli­mum» bezeich­net. Bis heute stu­diert der Can­tate Kam­mer­chor, ergän­zend zum übli­chen Pro­ben­rhyth­mus, jedes Jahr wäh­rend einer Woche neue Werke ein, die grosse Chor­for­ma­tion trifft sich zu Intensivwochenenden.

Solide Gestalt. Die ers­ten Kon­zerte der Alt­schier­ser wur­den von Musi­kern der dama­li­gen Trä­ge­rin des Bas­ler Sin­fo­nie­or­ches­ters, der Bas­ler Orchester-gesellschaft (BOG) beglei­tet. 1965 wurde aus BOG-Musikern das Cantate-Orchester gebil­det – man wollte in die­sem Bereich mehr Kon­ti­nui­tät schaf­fen. Neben Chor­auf­füh­run­gen gab es Abon­ne­ments­kon­zerte mit rei­nen Orches­ter­pro­gram­men, 1968 ver­schwand der ursprüng­li­che Name des Chors: Man nannte sich fortan Cantate-Chor Basel. In jenen Jah­ren begann die heu­tige Struk­tur des Chors Gestalt anzu­neh­men. Aus Zuzü­gern, die für grosse Werke zum Chor sties­sen, wurde eine feste grosse Chor­for­ma­tion, der die Kam­mer­chor­mit­glie­der selbst­ver­ständ­lich angehören.

1981 gab sich der grosse Chor eine eigene Ver­eins­ba­sis, heute tritt er offi­zi­ell als Can­tate Kon­zert­chor auf. Das Cantate-Orchester wurde 1987 wie­der auf­ge­löst. Inzwi­schen hat sich mit meh­re­ren Bas­ler Orches­tern eine je nach Werk und Epo­che abwech­selnde Zusam­men­ar­beit ergeben.

Span­nende zeit­ge­nös­si­sche Musik. Zu den erwähn­ten «Per­len” der Chor­li­te­ra­tur gehör­ten neben Wer­ken von Bach, Hän­del, Schütz, Mozart, Men­dels­sohn und Brahms in der Ära von Max Wehrli Kom­po­si­tio­nen der neus­ten Zeit. Der Schwer­punkt lag auf dem Schaf­fen von Schwei­zern. Mit Wer­ken von Willy Burk­hard und Armin Schi­bler im Gepäck reiste man auch nach Frank­furt und Ber­lin (Okto­ber 1971), nur wenige Monate spä­ter erklan­gen in Basel die Bas­ler Erst­auf­füh­rung von Klaus Hubers Te Deum Lau­da­mus Deutsch und die Urauf­füh­rung von Armin Schi­blers The Point of Return; Burk­hards Kan­tate Die Sint­flut erklang im Rah­men einer Kon­zert­reise nach Lon­don (1975). Zum 20-jährigen Beste­hen von Can­tate schuf Rudolf Kel­ter­born Fünf Gesänge.

Als sich Max Wehrli 25 Jahre nach der Grün­dung von Can­tate zurück­zog, inten­si­vierte der neue Diri­gent Jürg Rüthi die Beschäf­ti­gung mit der zeit­ge­nös­si­schen Musik wei­ter. Zu Barock, Klas­sik und Roman­tik kamen auch für die Gross­for­ma­tion Werke von Schnittke, Pen­der­ecki, Halff­ter und Stra­winsky. Rüthi pflegte vor allem auch gern die Gegen­über­stel­lung von Moderne und Tradition.

Musi­ka­li­sche Fami­lie. Jürg Rüthis Nach­fol­ger Johan­nes Tolle, der die Cantate-Chöre im Jahre 2000 über­nahm, arbei­tete mit den Chor­sän­ge­rin­nen und Chor­sän­gern enga­giert und erfolg­reich am Chor­klang wei­ter und legte den Schwer­punkt etwas mehr auf Alte Musik. Seit 2007 ist Tobias von Arb Diri­gent der Cantate-Chöre, mit Geschick und Liebe zur Sache glei­cher­mas­sen for­dernd und för­dernd. Nach wie vor reicht das Spek­trum von der Renais­sance bis zur Avantgarde.

Die Zusam­men­set­zung des Cho­res hat sich seit der Grün­dung ver­än­dert. Geblie­ben sind die Stim­mung der gros­sen musi­ka­li­schen Fami­lie, das Enga­ge­ment für Gesang und ein krea­ti­ves Gefühl der Zusammengehörigkeit.